Zahnarztpraxis Dr. Weigert und Kollegen Amberg

Aktuelles Merkblatt des Vereins zur Förderung der Zahngesundheit - Kieferknochenschädigung

Aktuelles Merkblatt des Vereins zur Förderung der Zahngesundheit

Kieferknochenschädigung (Osteonekrose) unter Therapie mit Bisphosphonaten

Liebe Patienten, lieber Patient,

im Rahmen der Therapie Ihrer Erkrankung werden Sie unter anderem mit Medikamenten aus der Substanzklasse der Bisphosphonate behandelt. Neben den Ihnen bekannten häufig vorkommenden Nebenwirkungen wurde seit geraumer Zeit eine zwar seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung dieser Substanzen in dem gehäuften Auftreten von Kieferknochenschädigung (Kiefernekrosen) bekannt. Hierunter versteht man eine Aufweichung und Zerstörung eines Kieferknochens, meist nach einem zahnärztlichen Eingriff, aber auch spontan auftrendend.

Da es sich bei dieser Nebenwirkung um eine unangenehme und schwierig zu behandelnde Komplikation handelt, liegt uns sehr viel daran, dass Sie ausführlich über den Charakter dieser Erkrankung aufgeklärt werden. Nur auf diese Weise sind eine Vermeidung und eine rasche Erkennung dieser Komplikation möglich. Daher möchten wir Sie mit diesem Merkblatt umfassend über die Verhinderung von Kiefernekrosen informieren.

Welche Symptome treten bei einer Kiefernekrose auf?

Symptome sind Schmerzen, Schwellung des Zahnfleisches, eitrige Sekretion, Mundgeruch, nicht heilende Wunden nach Zahnentfernungen oder andersartigen zahnärztlichen Kiefereingriffen sowie freiliegender Kieferknochen und Taubheitsgefühl in der Unterlippe. Allerdings kann eine Kifernekrose auch lange Zeit ohne Auftreten von Symptomen verlaufen.

Welche Gefahrenquellen müssen Sie unbedingt beachten?

Da eine Therapie mit Bisphosphonaten für die erfolgreiche Behandlung Ihrer Grunderkrankung jedoch unbedingt erforderlich ist, sollten Risikofaktoren, die das Entstehen von Kiefernekrosen begünstigen, weitestgehend vermieden werden. Eine der Hauptgefahren besteht in größeren zahnärztlichen Behandlungen wie z.B. Wurzelbehandlungen, Zahnentfernungen und Einsatz von Zahnimplantaten. Bei solchen Eingriffen kann es leicht zu Entzündungen und Eindringen von Keimen in den Kiefer kommen. Kommt es zu Zahnfleischverletzungen oder Wunden im Kieferbereich, kann es zu komplizierten Infektionen kommen, die sich auf den Kieferknochen übertragen können und damit eine Knochenzerstörung hervorrufen können. Daher sollten größere Zahn/Kieferbehandlungen nur erfolgen, wenn diese unbedingt erforderlich sind.

In jedem Fall sollte sich der behandelnde Zahnarzt vor dem geplanten Eingriff unbedingt mit Ihrem Arzt, der das Medikament verordnet hat, in Verbindung setzen.

Ein besonderes gehäuftes Auftreten dieser Nebenwirkung wurde bei Patienten beobachtet, die diese Medikamente in Form von Infusionen erhielten und/oder gleichzeitig an einem bösartigem Leiden ("Krebs", Leukämie) erkrankt sind. Bei Patienten, die diese Medikamente zur Behandlung einer Osteoporose (Knochenschwund) erhalten und/oder in Form von Tabletten, wurden Kiefernekrosen seltener beobachtet.

Besonders gefährdet sind Patienten, bei welchen innerhalb der letzten 6 Monate größere Zahnbehandlungen durchgeführt wurden und Patienten, die im Bereich des Kiefers bestrahlt wurden. Außerdem wurde beobachtet, dass Patienen höheren Alters stärker zu dem Auftretetn von Kiefernekrosen neigen als jüngere Patienten. Ein weiterer wichtiger Risikofaktor besteht in einer unzureichenden Mundhygiene und unregelmäßigen Zahnarztbesuchen.

Was können Sie und Ihre Ärzte tun, um das Autreten von Kiefernekrosen zu verhindern?

- Vor der ersten Behandlung mit einem Bisphosphonat empfehlen wir dringend eine gründliche Überprüfung und ggf. Sanierung Ihrer Zähne.

- Weiterhin ist eine gründliche und regelmäßige Mundhygiene durch korrektes Zähneputzen, Mundspüllösungen und regelmäßige Zahnarztbesuche (mindestens im Abstand von 6 Monaten) undbedingt empfehlenswert.

- Weiterhin sollten Sie darauf achten, dass Verletzungen der Mundschleimhaut vermieden werden, da diese Eintrittspforte für infektiöse Erreger sein können.

- Außerdem ist es sehr wichtig, dass sich der behandelnde Zahnarzt vor größeren Zahn-Kiefereingriffen mit Ihrem behandelnden Onkologen/ Internisten/ Orthopäden in Verbindung setzt. Da solche Behandlungen hinsichtlich der Entstehung von Kiefernekrosen unter längerer Bisphosphonat-Therapie die größte Gefahrenquelle darstellen, ist eine gemeinsame Planung des Eingriffs von großer Bedeutung.

- Vor der Durchführung größerer zahnärztlicher Behandlungen sollten mittels einer Übersichtsaufnahme des Kiefers (Panoramaaufnahme) Krankheitprosse im Bereich des Kiefers ausgeschlossen werden. In der Regel wird eine Antibiotika-Prophylaxe empfohlen.

- Nicht zu unterschätzen ist die Möglichkeit einer durch Prothesendruckstellen verursachten Kiefernekrose; Patienten mit herausnehmbarem Zahnersatz sollen daher regelmäßig kontrolliert werden.

- Außerdem wird empfohlen, die Gabe von Bisphosphonaten vor und nach Eingriffen für mindestens 2-4 Monaten zu pausieren, um eine bessere Abheilung zu gewährleisten.

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung!

Merkblatt erstellt vom Universitätsklinikum Bonn, Medizinische Klinik und Poliklinik III, Prof. A. Glasmacher, überarbeitet von Dr. Dr. Bernhard Lehner, Arzt für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie, plastische Oparationen, Implantologie, Belegarzt am Klinikum St. Marien in Amberg


 
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